Höhenweg

Höhenweg Fichtelgebirge

Höhenweg Fichtelgebirge

Höhenweg Fichtelgebirge
Drei Brüder im Winter

Der Höhenweg im Fichtelgebirge ist nicht nur der älteste, markierte Wanderweg im Fichtelgebirge, sondern auch der interessanteste.
Er verläuft, dem Gebirgshufeisen folgend, über die wichtigsten Berggipfel des Fichtelgebirges.

Bei der Kammwanderung trifft man auf die für dieses Mittelgebirge so typischen Naturdenkmale: Felsentürme, die den Hochwald überragen und Granitblockmeere in den Gipfelbereichen.
Die äußerst abwechslungsreiche Wegbeschaffenheit und die direkt auf dem Weg liegenden Sehenswürdigkeiten und signifikanten Wahrzeichen des Fichtelgebirges machen den Höhenweg zu einem Erlebnis für die ganze Familie.

Kurzbeschreibung:

Wunsiedel – Luisenburg – Großer und Kleiner Haberstein – Große Kösseine – Hohenbrand – Wurmloh – Hohe Matze – Girgelhöhle – Prinzenfelsen – Silber haus – Platte – FGV-Unterkunftshaus Seehaus – Nußhardt – Schneeberg – Rudolfsattel – Drei Brüder – Rudolfstein – Weißenstadt – Weißenstädter See – Großer Waldstein – FGV-Unterkunftshaus Waldsteinhaus – Kleiner Waldstein – Hallerstein – Schwarzenbach a.d.Saale

Gesamtlänge: 50 km

Streckenverlauf und Höhenprofil Höhenweg Fichtelgebirge

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Der Höhenweg als Leistungstest

Hier soll nun bewusst keine Beschreibung des wirklich schönen Wanderweges gegeben werden, sondern ich möchte von meinem Versuch, den Höhenweg in einer Tagesetappe (in Form einer Art „Leistungstest)“ zu bewältigen, schreiben (am Sonntag, 26.10.2014).
Dies hat dann auch nichts mehr mit „Genusswandern“ zu tun, sondern diente lediglich als persönliche Herausforderung.
Start bei bewölktem Wetter um 7:30 Uhr am Eisweiher in Wunsiedel
Von dort geht es stadtauswärts hoch Richtung Luisenburg. Der Name stammt von der Bezeichnung eines Berges (früher Lux- oder Losburg, ab 1805 bei Besuch der Preußenkönigin Luise umbenannt) und dort findet sich nicht nur Deutschlands älteste Naturbühne, sondern auch ein einzigartiges Felsenlabyrinth.

Beides sehr empfehlenswert, heute aber nicht mein Interesse…

Der Höhenweg im Fichtelgebirge ist durch ein weißes H auf rotem Grund markiert.

Höhenweg Fichtelgebirge
Blick zur Kösseine

Nächstes Ziel ist mein Hausberg, die Kösseine (939 m). Während meiner Tour setze ich mir immer wieder Zwischenziele und rechne grob die Zeiten dafür. Bis zur Kösseine sind es nun rund 3 km bergauf. Rechne mit fast 6 km/h „Marschgeschwindigkeit“, womit ich in etwa einer halben Stunde am Gipfel sein sollte.
Direkt auf dem Weg liegt der Kleine Haberstein. Solche Felsentürme aus Granit sind signifikant für das Fichtelgebirge und bieten auch Kletterern das besondere Erlebnis.
Der große Haberstein (848 m) liegt einige hundert Meter abseits des Weges, daher bekomme ich diesen heute gar nicht zu Gesicht…
Um 8:45 Uhr erreiche ich den Gipfel der Großen Kösseine und muss ein kurzes Stück des Weges wieder auf der gleichen Strecke zurück laufen (das einzige Mal auf dem gesamten Höhenweg) bis die Abzweigung Richtung Hohenbrand/Hohe Matze folgt.

Das herbstliche Laub und diese Wegabschnitte sind heute wirklich toll, aber ich muss auch zugeben, dass mir der Anstieg (wohl bekannt und „gefürchtet“) schon sehr schwer vorkommt. Wie sich später herausstellen sollte, der wahrscheinlich kräftezehrendste Anstieg: Hinauf zur Hohe Matze (813 m).
Kurz nach halb 10 Uhr passiere ich diese, Ausblicke zurück Richtung Kösseine sind sowieso aufgrund des Nebels Fehlanzeige. Gute 2 Stunden für die bisherigen 11,5 km. Passt, liege in meinem Soll.

Lasse Totenkopf, Girgelhöhle und Prinzenfelsen links liegen und marschiere geradewegs und ohne Pause zum nächsten Gipfel. Dabei komme ich am Gasthaus Silberhaus vorbei und muss die B303 queren. Schon immer ist mir diese Überquerung hier sehr gefährlich (es gibt noch immer keine sichere Alternative!), aber bei diesen Sichtverhältnissen gleicht dieses Vorhaben überspitzt ausgedrückt einem „Himmelfahrtskommando“, denn als ich in der Fahrbahnmitte stehe, darf von oben kein weiteres Fahrzeug kommen… zum Glück erscheint auch keines.
Die Platte (885 m) mit ihrem einzigartigen Graniblockmeer bietet jetzt leider ebenfalls keinen Ausblick, der bei guter Sicht nach Wunsiedel und bis nach Tschechien reicht.
Gegen 10:45 Uhr bemerke ich das erste Mal schwere Beine und auf den längeren, nur leicht ansteigenden Wegen Richtung Seehaus (922 m), läuft es sich „unrund“. Dennoch warte ich mit meiner Pause bis zum Nußhardt (972 m), der dritthöchsten Erhebung im Fichtelgebirge.
Hier mache ich meine erste Pause, in der ich mich weiter stärke und Dehnübungen durchführe.

Höhenweg im Fichtelgebirge
Schneeberggipfel mit Backöfele

An den höchsten Berggipfel des Fichtelgebirges und des gesamten Frankenlandes, den Schneeberg (1051 m), komme ich um kurz vor 12 Uhr mittags. Mittlerweile liegen 24 km hinter mir und 4,5 h für diese Strecke sind völlig in Ordnung für mich.
Hinunter nach Weißenstadt (630 m) wandere ich an verschiedenen Felstürmen (Rudolfsattel, Drei Brüder und Rudolfstein) vorbei. Meine Zeitvorgabe von einer Stunde für diesen Abschnitt (knapp 6 km) schaffe ich locker.

Nach den über 400 Höhenmetern im Abstieg umrunde ich den Weißenstädter See zur Hälfte, bevor ich mich auf den Weg Richtung Großer Waldstein (877 m) mache.
Meine zweite Brotzeit verschiebe ich bis schließlich zum Gipfel des Waldsteins.
Laut Wegbeschreibung befindet sich der Waldstein genau auf Kilometer 35. Dann sollte dieser Wegweiser und die angegebene Streckenlänge Richtung Schwarzenbach (12 km) hier aber falsch sein… Wie käme man sonst auf 50 km Gesamtlänge?
Als ich weit unterhalb des Gipfels bereits in der Nähe des Kleinen Waldsteins (829 m) bin, steht auf einem Schild dieselbe Kilometerentfernung nach Schwarzenbach (12 km).
Bisher war ich noch nie am Kleinen Waldstein, jedenfalls kann ich mich nicht mehr daran erinnern, aber dieser Felsturm wirkt auf mich am Eindrucksvollsten. Vielleicht auch aufgrund seiner exponierten Lage oder Unbekanntheit.
Es geht weiter bergab bis ich auf eine breite Forststraße gelange. Hier sehe ich das erste Mal keine weitere Markierung, vom Gefühl und der Karte her müsste ich zwar geradeaus, aber der Weg gleicht eher einem „Schleifweg“, als einem erkennbaren Wanderweg. Daher laufe ich nach rechts, in der Hoffnung, dass dieser Weg bald nach links führen und wieder eine Markierung erkennbar wird.

Leider ist dies nicht der Fall und befinde mich auch auf einem Irrweg. Umkehren und wieder hochlaufen möchte ich nicht, daher entscheide ich mich dafür, weiterzugehen.
Als ich Autos höre, weiß ich, dass ich in der Nähe der eingezeichneten Straße bin.
Dort angelangt sehe ich einen Mann, der auf dem Waldparkplatz anhielt. Ihn frage ich nach der Position in der Karte, wohl wissend, dass ich vom richtigen Weg abgekommen bin.
Dies wird mir auch bestätigt, daher nimmt er mich Richtung Benk mit.Ab hier laufe ich nicht mehr den Höhenweg, sondern über den Förmitzspeicher.
Obwohl der Weg rechts entlang direkt am See verläuft, frage ich Einheimische zur Sicherheit, wie ich zu dem nächsten Dorf und schließlich nach Schwarzenbach gelange.
Ein Mann gibt mir eine ausreichende Wegbeschreibung, aber als ich seinem Waldweg und „Abkürzung“ folge, stehe ich plötzlich mitten in einem Feld.
In einer Reihe niedergefahrenen Rapses laufe ich zur Straße. Aber auch dort lese ich auf den Schildern nichts von dem Dorf, sondern nur Schwarzenbach (4 km) und Hallerstein (3 km). Um schneller vorwärts zu kommen, führe ich leichtes Joggen durch, da ich nun sowieso seit etwa km 40 und nun bei etwa 45 km massive Problem mit dicken Füßen bekomme.
Es schmerzt eigentlich bei jedem Schritt.

Dennoch, ich will und werde bis nach Schwarzenbach laufen. Davon lasse ich mich nicht mehr abbringen. Aber nach einer weiteren Laufeinlage sehe ich in weiter Ferne ein Ortseingangsschild. Sollte dies nicht Schwarzenbach sein, werde ich aufgeben. Das steht für mich nach über 9 Stunden nun fest.
Je näher ich komme, desto größer wird mein Flehen… bitte lass es Schwarzenbach sein, B-I-T-T-E ….
…und tatsächlich wurde mein Bitten erhört, es ist das Ortseingangsschild von Schwarzenbach.
Kurz vor 17 Uhr erreiche ich den Bahnhof von Schwarzenbach und habe den Höhenweg mit seinen 50 km in 9,5 Stunden bewältigt.
Meine Füße schmerzen, besonders die Zehen und auch der untere Rückenbereich macht sich bemerkbar. Aber diese Strapazen und jetzige Beschwerden sind es wert. So weit bin ich bisher noch nie gewandert und auch die Geschwindigkeit wurde bis zuletzt kaum langsamer.
Der Schnitt liegt bei über 5 km pro Stunde und das bei der Länge und den Höhenmetern.
Bin schon ein wenig stolz auf mich, diese Leistung vollbracht zu haben. Eine persönliche Herausforderung und ein Leistungstest an meine Grenzen. Zum Erfolg und Durchhalten war letztlich nur ein Grund entscheidend: Der unbedingte Wille, dies durchzuziehen.

3 Tage nach dem Leistungsmarsch Höhenweg Fichtelgebirge

Nachdem ich im Anschluss an die Tour dicke Füße habe, Schmerzen in der Achillessehne beim Gehen und der untere Rückenbereich sich bemerkbar macht, verwende ich zur unterstützenden „Behandlung“ lediglich Wärme in Form einer Wärmflasche. Direkt am Abend spüre ich auch leichte Schmerzen im Kniebereich, welche aber bereits am Tag drauf weg sind.
Am dritten Tag danach sind die Schmerzen in der linken Achillessehne geblieben (nur beim Gehen), ebenfalls ist der untere Rückenbereich noch nicht wieder der „Alte“.
Aber man läuft den Höhenweg im Fichtelgebirge bzw. über 50 km ja nicht jede Woche  und es sind Ferien…

Autor: Michael Feigel

- liebt die Natur, das Reisen und tolle Momente - ist gerne im Kreise seiner Familie/Freunde oder netten Personen - lernt gerne neue Leute aus unterschiedlichen Ländern kennen Weitere Homepages von mir: Outdoor - Testberichte und Wissenswertes | Wandern, Klettern und Bouldern auf Teneriffa und Anderswo